Großhandel ohne nachhaltigen Aufwärtstrend: Vorläufige Umsatzzahlen fallen positiv aus – real herrscht jedoch Stillstand.
Nach den schwachen Monaten April und Mai fällt die Umsatzentwicklung im Großhandel im Juni wieder positiver aus. Im Juni 2026 lagen die Großhandelsumsätze nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nominal um 11,1 Prozent und real um 5,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Die Zahlen sind allerdings mit Zurückhaltung zu bewerten: Es handelt sich um vorläufige Daten, die in der Vergangenheit nach Eingang weiterer Daten teilweise deutlich revidiert wurden.
Das Auf und Ab der vergangenen Monate zeigt, dass geopolitische Spannungen und die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten weiterhin auf den Großhandel einwirken. Lieferengpässe und höhere Transportkosten belasten die Unternehmen. Gleichzeitig bleiben spürbare Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Bürokratie aus – der Wettbewerbsdruck bleibt entsprechend hoch.
Im Produktionsverbindungshandel deuten die vorläufigen Daten für Juni auf ein nominales Plus von 17,7 Prozent und einen realen Zuwachs von 7,5 Prozent hin. Treibende Kraft war der sonstige Großhandel, zu dem unter anderem Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse zählen, mit einem Plus von nominal 22,8 Prozent und real 7,5 Prozent. Auch der Großhandel mit Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik legte deutlich zu: nominal um 20,1 Prozent und real um 11,6 Prozent. Schwächer entwickelte sich der Großhandel mit Maschinen und Ausrüstungen mit einem nominalen Zuwachs von 7,2 Prozent und einem realen Plus von 4,2 Prozent.
Die teilweise deutlichen Unterschiede zwischen nominaler und realer Entwicklung sind auf die krisenbedingt steigenden Preise auf den verschiedenen Wirtschaftsstufen zurückzuführen. Im Großhandel lag der Preisauftrieb in den vergangenen Monaten bei jeweils rund fünf Prozent und damit auf den höchsten Steigerungsraten der vergangenen drei Jahre.
Auch im Konsumgütergroßhandel fiel das Ergebnis nach den deutlichen Rückgängen im April und Mai wieder positiver aus. Die Umsätze lagen nominal um 4,2 Prozent und real um 3,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Lebensmittel- und Getränkegroßhandel verzeichnete ein Plus von nominal 3,6 Prozent und real 4,8 Prozent. Zwar haben sich die Indikatoren für das Konsumklima zuletzt verbessert, sie befinden sich jedoch weiterhin im negativen Bereich. Hinzu kommt eine Inflationsrate von 2,8 Prozent im Juli und damit deutlich oberhalb der Zielmarke von zwei Prozent.
Umsätze im Großhandel

Der Blick auf die längerfristige Entwicklung zeigt, warum die aktuellen Umsatzsteigerungen noch keine nachhaltige Trendwende bedeuten. Wie die Grafik des Monats verdeutlicht, entwickeln sich die realen Großhandelsumsätze bereits seit vier Jahren weitgehend seitwärts. Während die nominalen Umsätze insbesondere infolge der Preisentwicklung seit dem Ukraine-Krieg tendenziell gestiegen sind, ist real keine entsprechende Aufwärtsentwicklung festzustellen. Vielmehr lagen die realen Umsätze in den vergangenen Jahren weitgehend unter dem Niveau von 2021 und 2022.
Für grosshandel-südwest zeigt diese Entwicklung, dass die aktuellen positiven Umsatzdaten nicht über die weiterhin bestehenden strukturellen Belastungen hinwegtäuschen dürfen. Geopolitische Unsicherheiten treiben Transport- und Versicherungskosten, während bei Steuern, Abgaben und Bürokratie bislang keine spürbaren Entlastungen in Sicht sind. Auch bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit lassen signifikante Fortschritte weiter auf sich warten. Gleichzeitig haben die Insolvenzen den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht und zehntausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen.
Entlastende Reformen sind aus Sicht von grosshandel-südwest daher überfällig. Die Unternehmen brauchen bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, damit die multiplen Krisen nicht noch weitere nachhaltige Schäden hinterlassen.
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