Der Großhandel zeigt erste Anzeichen einer verhaltenen Erholung. Doch die wirtschaftliche Dynamik bleibt schwach: Hohe Kosten, strukturelle Herausforderungen und enttäuschte politische Erwartungen belasten die Unternehmen weiterhin.
grosshandel-südwest präsentiert die aktuellen Ergebnisse der BGA-Konjunkturumfrage zum deutschen Großhandel. Im August 2026 wurden Unternehmen zu ihrer wirtschaftlichen Lage, ihren Erwartungen und den Perspektiven für die kommenden Monate befragt. Die Ergebnisse geben einen aktuellen Einblick in Stimmung, Investitionsbereitschaft, Beschäftigungsentwicklung und die zentralen Herausforderungen der Branche.
Erste Erholungssignale nach langer Stagnation
Der deutsche Großhandel zeigt zur Jahresmitte 2026 erstmals wieder deutlichere Zeichen einer Erholung. Von einem echten Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein. Auch die Gesamtwirtschaft gewinnt nur langsam an Fahrt: Nach einem realen BIP-Plus von lediglich 0,2 Prozent im Jahr 2025 erwartet der BGA für 2026 ein Wachstum von 0,8 Prozent.
Großhandelsumsätze ziehen an
Im Großhandel stiegen die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 nominal um 4,9 Prozent, real allerdings nur um 1,0 Prozent. Für das Gesamtjahr prognostiziert der BGA ein reales Plus von 0,9 Prozent und einen nominalen Umsatz von rund 1.558 Milliarden Euro. Damit arbeitet sich die Branche langsam aus der Stagnation heraus, bleibt real aber weiterhin unter dem Niveau von 2022.

Stimmung deutlich besser – aber weiterhin im negativen Bereich
Besonders sichtbar wird die Aufhellung beim BGA-Großhandelsklimaindikator. Er steigt gegenüber dem Jahreswechsel um 14,2 Punkte von 70,6 auf 84,8 Punkte. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verbessert sich sogar um 19,3 Punkte auf 86,5 Punkte, die Geschäftserwartungen steigen auf 83,2 Punkte.
Trotz des deutlichen Sprungs bleibt Zurückhaltung angebracht: Erst Werte über 100 signalisieren eine positive Stimmung. Der Großhandel ist damit zwar weniger pessimistisch, die wirtschaftliche Unsicherheit bleibt jedoch hoch.

Produktionsverbindungshandel wird zum Impulsgeber
Die stärksten Erholungssignale kommen aus dem Produktionsverbindungshandel. Dessen Klimaindikator legt um 20,1 Punkte auf 88,7 Punkte zu – der höchste Wert seit dem ersten Halbjahr 2023. Auch die Umsätze entwickeln sich wieder positiv: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen sie nominal um 9,4 Prozent und real um 2,2 Prozent.
Der BGA sieht darin auch ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen ihre Beschaffungs- und Vertriebswege zunehmend diversifizieren und sich besser auf geopolitische Krisen einstellen. Hohe Kosten und Standortnachteile begrenzen die Erholung allerdings weiterhin.

Im baunahen Großhandel hellt sich die Stimmung ebenfalls auf. Positiv wirken insbesondere die Baugenehmigungen: Im ersten Halbjahr wurden 126.300 Wohnungen genehmigt. Das sind 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hohe Baukosten, Zinsen und regulatorische Anforderungen bleiben jedoch Bremsfaktoren.

Deutlich schwächer bleibt dagegen der Konsumgütergroßhandel. Seine Umsätze sanken im ersten Halbjahr 2026 real um 0,6 Prozent. Inflation, Arbeitsplatz- und Einkommensunsicherheit belasten weiterhin den privaten Konsum.

Aufträge erholen sich
Auch bei Auftragseingängen und Kapazitätsauslastung zeigen sich Fortschritte. Die Bewertung der Auftragseingänge verbessert sich um 24 Punkte auf –15 Punkte, die Kapazitätsauslastung um 15 Punkte auf –18 Punkte. Beide Werte bleiben negativ, erreichen aber den besten Stand seit mehreren Jahren.

Beschäftigung bleibt unter Druck
Die wirtschaftliche Aufhellung kommt bislang nicht am Arbeitsmarkt an. Im April 2026 waren rund 1,926 Millionen Menschen im Großhandel beschäftigt – 57.000 weniger als auf dem Höchststand im Herbst 2023. 34 Prozent der Unternehmen planen im zweiten Halbjahr einen weiteren Beschäftigungsabbau. Auch die Ausbildungsbereitschaft sinkt: Nur noch 39 Prozent wollen neue Auszubildende einstellen.

Reformbedarf bleibt hoch
Trotz der besseren Stimmung sehen die Unternehmen weiterhin erheblichen Handlungsbedarf bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Als größte Belastungen ihrer Wettbewerbsfähigkeit nennen sie Bürokratie (82 Prozent), Arbeitskosten (61 Prozent), EU-Regulierung (49 Prozent) und Energiekosten (42 Prozent). Fast zwei Drittel bewerten die Reformpakete der Bundesregierung als unzureichend.
Besonders deutlich ist die Einschätzung beim Bürokratieabbau: 78 Prozent der Unternehmen können bislang keine Entlastungen bei Bürokratie und Genehmigungsverfahren feststellen.
Die Richtung stimmt damit erstmals wieder etwas optimistischer. Für eine nachhaltige Erholung braucht es aus Sicht des BGA jedoch bessere Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und spürbare Entlastungen bei Kosten, Steuern und Abgaben.
Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick
Großhandel & Konjunktur (Sommer 2026)
- BIP Deutschland 2026:
BGA-Prognose +0,8 % (2025: +0,2 %, 2024: –0,5 %) - Großhandelsumsatz 1. Halbjahr 2026:
nominal +4,9 % | real +1,0 % - Prognose Großhandel 2026:
nominal unter +4 % | real +0,9 % - Gesamtumsatz Großhandel 2026:
ca. 1.558 Mrd. € - Produktionsverbindungshandel 2026:
1. Halbjahr nominal +9,4 % | real +2,2 %
Gesamtjahresumsatz voraussichtlich 775 Mrd. € - Konsumgütergroßhandel 2026:
1. Halbjahr nominal +0,2 % | real –0,6 %
Gesamtjahresumsatz prognostiziert: 715 Mrd. € - BGA-Großhandelsklimaindikator:
84,8 Punkte (+14,2 Punkte gegenüber Jahreswechsel 2025/26) - Beschäftigte im Großhandel:
1,926 Mio. (April 2026; –57.000 seit dem Höchststand im Herbst 2023) - Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung:
–15 Punkte | –18 Punkte – deutlich verbessert, aber weiterhin im negativen Bereich - Zentrale Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit:
82 % Bürokratie · 61 % Arbeitskosten · 49 % EU-Regulierung · 42 % Energiekosten
(Quelle: BGA „Trends & Analysen Großhandel“, September 2026)
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